Erfreut hängen Sie den Telefonhörer auf: Soeben haben Sie die Zusage bekommen, an einem für Sie wichtigen Event während 30 Minuten zu einem Ihrer Fachthemen reden zu dürfen. Wann beginnen Sie mit der Vorbereitung, und wie lange wird diese dauern?
Immer wieder höre ich in meinem Berufsalltag, für die Vorbereitung des Referats habe man nur wenig Zeit. Wer kann, delegiert etwa das Produzieren der Folien an eine/n Mitarbeiter/in – man hat schliesslich Wichtigeres zu tun.
Und so erlebe ich immer wieder Referent/innen, die ihr Thema nicht wirklich im Griff haben, die selber vom Inhalt ihrer nächsten Folie überrascht sind und keine geschmeidigen Übergänge von einer Aussage zur nächsten schaffen.
Schade um die halbe Stunde – eine gute Vorbereitung hätte den Auftritt sehr viel überzeugender werden lassen. Nur die allerwenigsten Redner/innen – die äusserst raren Naturtalente – sind in der Lage, aus dem Stegreif eine überzeugende Präsentation oder Rede zu halten. Alle anderen müssen sich vorbereiten, indem sie die Redesituation üben.
Im Klartext: Ihre Rede sollten Sie auf keinen Fall erstmals vor Publikum halten, sondern idealerweise zum vierten Mal. Die ersten drei Male reden Sie (selbstverständlich frei) vor einem imaginären Publikum, und zwar laut und deutlich.
Sie werden merken: Beim dritten Mal sprudeln die Worte schon fast automatisch, und die Übergänge von einer zur nächsten Folie werden so rund, dass Ihr Referat wirklich fliesst. Beim dritten Mal werden Sie so locker formulieren, dass Sie sich auch der non- und der paraverbalen Kommunikation widmen können. Wo sind meine Hände? Wohin gucke ich? Wie stehe ich da? Wie schnell rede ich? Wie deutlich ist meine Aussprache? Welches Wort im Satz betone ich? ...
Sie dürfen Ihren Auftritt selbstverständlich auch fünf- oder zehnmal 1:1 üben – er wird dadurch vielleicht noch überzeugender. Drei Mal ist das absolute Minimum – idealerweise auf mehrere Tage verteilt.
Sie haben keine Zeit, Ihre Auftritte so lange vorzubereiten? Dann rate ich: Treten Sie weniger auf, aber bereiten Sie die spärlichen Auftritte so vor, dass Sie wirklich überzeugen. Ein guter Auftritt bringt Ihnen letztlich mehr als drei schlecht gelungene.
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