Tipps&Tricks – Rhetorik 8: Die nonverbale Kommunikation ist nicht (nur) zufällig

Wer einen Auftritt vor Publikum plant – auf der Bühne oder am Fernsehen –, kommt nicht um das Thema nonverbale Kommunikation herum. Denn die gesprochenen Worte machen ja gerade mal knapp 10 Prozent der empfangenen Botschaft aus.

Die nonverbale Kommunikation geht dem Wort voraus

Ihre Botschaft beginnt lange bevor Sie den Mund aufmachen: Ab dem Moment, wo man Sie sieht. Also wenn Sie aufstehen und sich zum Redepult begeben. Unbewusst werden die Zuschauer/innen Ihre Haltung, Ihren Gang, Ihre Kleidung und Frisur (Habitus), Ihren Gesichtsausdruck (Mimik) und Ihren Blick ins Publikum (oder sonst wohin) als nonverbale Aussage interpretieren. Sobald Sie reden, kommen die Aussagen Ihrer Hände (Gestik) hinzu.

Selbst bei einem kurzen Statement im Fernsehen wird Ihren Worten eine nonverbale Aussage vorangehen: Meist wird die Stellung nehmende Person in einer kurzen Sequenz zuerst «eingeführt» – typische Szenen sind der Gang in das Firmengebäude, das Aussteigen aus dem Auto oder eine gestellte Szene am Arbeitsplatz. Schreiten Sie locker auf den Hauseingang zu oder steif? Steigen Sie aus einem Döschwo oder aus einem Cadillac? Ist Ihr Büro aufgeräumt, oder türmen sich die Aktenberge? All dies werden die TV-Zuschauer/innen bewusst oder unbewusst wahrnehmen und interpretieren.

Das Nonverbale ist nicht einfach gottgegeben

Die nonverbale Kommunikation passiert mehrheitlich unbewusst, doch sie kann bewusst trainiert und verändert werden. Bedingung ist ein kritisches Auseinandersetzen mit dem eigenen Auftritt anhand von Videoaufnahmen anlässlich eines Rhetoriktrainings. Denn die Hintergründe für eine Bewegung, eine Geste, ein Augenzwinkern sind unterschiedlich, werden jedoch meist nach einem bestimmten Muster interpretiert. Nur wer sich seiner nonverbalen Kommunikation bewusst ist, kann sie gezielt verändern.

Wen zum Beispiel infolge Heuschnupfens die Nase juckt, der ist gut beraten, vor Publikum in solchen Fällen zum Taschentuch zu greifen und sich zu schnäuzen. Ein Griff an die Nase wird sonst von der grossen Mehrheit fälschlicherweise dahingehend interpretiert, dass der/die Redner/in nun gerade gelogen habe... 

 

weitere Artikel zum Thema:

zurück zur Übersicht aller Beiträge